Mittwoch, 11. Dezember 2024: Wo man Gott begegnen kann, Johannes 4,20

Die Bedeutung von Bergen ist für uns Menschen sehr unterschiedlich. So ist es z. B. noch gar nicht so lange her, da hatten die Gipfel unserer Alpen für die Bewohner gar keine Namen, denn sie waren für sie ohne Bedeutung. Die Älpler waren Bauern, und von den Bergen kamen höchstens Muren oder Schneelawinen, die ihnen das Leben schwer machten.

Andererseits haben große, majestätische Bergmassive die Menschen stets beeindruckt und inspiriert, vor allem dann, wenn sie in einer Landschaft unübersehbar hervorragten. Auch in der Bibel spielen Berge schon früh eine Rolle. Von einem Berg, dem Sinai, verkündete Gott seinem Volk Israel seine heiligen Gesetze. Von einem anderen Berg, dem Nebo, zeigte Gott dem Mose das Land Israel. Der »Berg Zion«, ein Synonym für Jerusalem, spielt in der Bibel eine große Rolle. Vielleicht hatte sich von daher im späteren Israel die Annahme verbreitet, Gott auf Höhen und Berggipfeln finden zu können, vielleicht, weil man meinte, Gott dort »näher« zu sein.

Eine Frau, der Jesus hier in dem Geschehen um den Tagesvers herum begegnet, erwähnt diese Haltung. Sie meint, Anbetung müsse an bestimmte Orte gebunden sein, an einen bestimmten Berg oder eine bestimmte Stadt. Doch Jesus gibt ihr und uns eine Belehrung, die bis heute gilt: »Frau, glaube mir, es kommt die Stunde, da ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet« (Johannes 4,20-22). Berge sind eben Berge und keine Orte, an denen rituelle Begegnungen mit Gott vorprogrammiert sind. Berge sind oft wunderbar. Aber Gott bindet sich nicht an sie oder überhaupt an einen bestimmten Platz dieser Welt. Er lässt sich von denen finden, die ihn aufrichtig suchen, vielleicht auf einem Berg, vielleicht aber auch ganz woanders.

Karl-Otto Herhaus

Dienstag, 10. Dezember 2024: Ich bin noch gar nicht fertig!, Jesaja 9,5

»Ich bin noch gar nicht fertig!«, sagte die ältere Frau zu mir, als wir uns nach unserem Treffen verabschiedeten und ich ihr frohe Weihnachten wünschte. Es waren noch knapp zwei Wochen bis Heiligabend und die Frau zählte auf, was sie noch alles erledigen wollte: Geschenke kaufen, Plätzchen backen, dekorieren … Jedes Jahr scheint es so, als käme Weihnachten »ganz plötzlich«. Dabei wissen wir doch lange im Voraus, wann es so weit ist.

Ganz anders war es damals bei Maria: Die junge Frau steckte mitten in den Hochzeitsvorbereitungen, denn sie war mit Josef verlobt. Und dann bekam sie eines Tages Besuch und wurde mit den Worten »Sei gegrüßt, du Begnadete!« (Lukas 1,28) angesprochen. Der Engel erklärte Maria, dass sie ein Kind bekommen würde und ihm den Namen Jesus geben sollte. Das kam für die junge Frau ganz schön plötzlich und ohne Vorbereitung.

Die Geschichte von Maria hat mich ins Nachdenken gebracht. Wir versuchen in unseren Weihnachtsvorbereitungen alles ganz genau zu planen und beschäftigen uns mit den äußeren Rahmenbedingungen. Wir wollen unsere Häuser schön dekorieren und ein leckeres Essen kochen. Dabei bleibt der wahre Grund von Weihnachten auch ohne perfekte äußere Bedingungen bestehen: Gott hat seinen Sohn Jesus Christus als kleines Baby zur Welt kommen lassen. Der Schöpfer wird Mensch und macht sich ganz klein, damit wir Menschen die Möglichkeit haben, wieder mit ihm Gemeinschaft zu haben. Dies kam nicht »plötzlich«, sondern war schon lange von Gott geplant. Schon im Alten Testament schreibt der Prophet Jesaja: »Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst.«

Ann-Christin Bernack

Montag, 09. Dezember 2024: »Wir bleiben zusammen …, Johannes 10,27-28

… bis der TÜV uns scheidet.« Kennen Sie diesen Autoaufkleber? Die zugrundeliegende Formulierung ist an die kirchliche Trauung angelehnt, bei der traditionell zum Brautpaar gesagt wird: »… bis dass der Tod euch scheidet.« Das soll zum Ausdruck bringen, dass die Ehe von Mann und Frau (nach der Bibel) nur durch den Tod aufgelöst werden kann. – Wir Menschen haben eine tiefe Sehnsucht nach Dingen, die Bestand haben und uns Halt geben. Mancher sucht das vielleicht bei seinem Auto, wie jener Aufkleber andeutet – oder in sonstigen materiellen Besitztümern, die letztlich nicht ewig halten. Andere wiederum setzen auf zwischenmenschliche Beziehungen; und zugegebenermaßen ist besonders die Ehe ein gottgegebener Segen, der unserem Leben tiefe Erfüllung schenken kann. Aber selbst dieses innigste Verhältnis zwischen zwei Menschen findet mit dem Tod ein Ende.

Doch es gibt eine Beziehung, die sogar den Tod überdauert und buchstäblich für immer und ewig Halt gibt: eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus. Denn er kennt die, die zu ihm gehören, und hält sie fest in seiner Hand – wie es der Tagesvers sagt. Wer in einem innigen Verhältnis zu dem Sohn Gottes steht, ist also untrennbar verbunden mit ihm. Oder anders gesagt: Das Schaf ist ganz nah bei seinem Hirten, der auf es aufpasst und es beschützt.

Wie kommt man zu so einer Beziehung mit Jesus? Es ist nur ein kleiner Schritt nötig, doch ganz leicht ist er nicht: Man muss sich ihm vorbehaltlos anvertrauen und schonungslos ehrlich zu ihm sein. Dabei ist es entscheidend, dass man alle Schuld, die man im Leben angesammelt hat, vor ihm ausschüttet und ihn um Vergebung bittet. Dieser Schritt ist der Aufbruch in eine beispiellos beglückende Beziehung, die noch dazu nie endet.

Martin Reitz

Sonntag, 08. Dezember 2024: Weihnachtslieder und ihre Geschichte: Stille Nacht, Jesaja 9,1

Ein aus dem Ruder gelaufenes Klima, Extremwetter, Starkregen. Was viele Menschen heute fürchten, war 1816 Realität durch den Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora. Dieser größte bis dahin von Menschen dokumentierte Vulkanausbruch markierte die »erste globale Klimazerstörung« und bescherte der Welt ein Jahr ohne Sommer. Ende Juli lag Süddeutschland unter einer Schneedecke, heftige Regenfälle sorgten für Überschwemmungen, Typhus, Cholera und sogar die Pest grassierten. Die Ernten fielen aus oder waren stark dezimiert, was wiederum zu Preissteigerung, Hunger, sozialen Unruhen und Migration führte.

In diesem buchstäblich dunklen Jahr entstanden zahlreiche Schauergeschichten wie »Frankenstein« oder »Der Vampyr«. Aber es wurde auch ein Lied gedichtet, das inzwischen von der UNESCO als »Immaterielles Kulturerbe Österreichs« anerkannt ist: »Stille Nacht, heilige Nacht«, gedichtet von Joseph Mohr. Die süßliche Melodie, die wir alle schon oft als Hintergrundmusik beim Einkaufen gehört haben, und die kitschig anmutende Phrase »holder Knabe im lockigen Haar« kann dazu führen, dass die Sprengkraft dieses Liedes übersehen wird. In einer Zeit, wo die einen vor Not nicht mehr ein noch aus wussten, und die anderen sich an dunklen Fantasien ergötzten, erzählte dieses Lied von einer lebendigen Hoffnung: »Christus, der Retter, ist da.«

Christus rettet und will uns von unserer Gottesferne, Einsamkeit und Schuld erlösen. Dazu ist er als Licht in diese finstere, kaputte Welt gekommen; das wird bis heute besungen und erfahren – gerade von Menschen, die sich in großer Not befinden. Ob es erst dunkle, kalte Zeiten braucht, bis wir eine Sehnsucht nach der Wärme dieses Lichts bekommen?

Elisabeth Weise

Samstag, 07. Dezember 2024: Das Napalm-Mädchen, Klagelieder 3,55

Das Foto schockierte die ganze Welt: Kinder rennen eine Straße entlang, hinter ihnen Soldaten und ein brennendes Dorf. Und in der Mitte ein junges Mädchen, nackt, voller Brandwunden, schreiend. Am 8. Juni 1972 hatten die Amerikaner Napalm-Bomben über Kim Phucs Dorf abgeworfen, die ihre Kleidung und 30 % ihrer Haut verbrennen ließen. Doch Kim überlebte. »Du wirst dein Leben lang Schmerzen haben«, sagte ihr ein Arzt. Doch nicht nur Kims Haut, auch ihre Seele schmerzte. Sie war voller Bitterkeit, fühlte sich hässlich und ungeliebt. Was konnte ihrem Leben jetzt noch Sinn geben?

Auf der Suche nach Antworten ging Kim als junge Frau in eine Bibliothek und nahm einen ganzen Stapel Bücher mit nach Hause. Bücher über Buddhismus, Hinduismus, Islam und Caodaimus. Irgendwo in dem Stapel war auch ein kleines Neues Testament. Und die Worte dieses Buches drangen tief in Kims verletztes Herz. Hier endlich war ein persönlicher Gott, der mitfühlte, der in Jesus Christus Mensch geworden war und am Kreuz unvorstellbare Schmerzen erduldet hatte. Ein Gott, der ihr seine Hand entgegenstreckte und ihr Vergebung ihrer Schuld, seine Liebe und seinen Frieden anbot. Im Weihnachtsgottesdienst 1982 sagte Kim in einer kleinen vietnamesischen Kirche Ja zu diesem Gott und übergab ihm ihr Leben. »Endlich hatte meine gequälte Seele Ruhe gefunden«, sagte sie später.

Kim studierte Medizin, heiratete, wurde Mutter. Bis heute setzt sie die Bekanntheit, die sie durch das Foto bekommen hat, dafür ein, Kindern zu helfen, die Kriegsopfer geworden sind. Für ihr weltweites und unermüdliches Engagement hat Kim Phuc zahlreiche Preise und Ehrungen bekommen. Ihr Leben ist ein Beweis dafür, dass Gott selbst aus den schrecklichsten Umständen etwas Gutes machen kann.

Elisabeth Weise

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