Mittwoch, 13. Oktober 2021: Schlecht ergangen

Sein Vorstrafenregister war lang, sehr lang, als wir uns im Gefängnis trafen. Diebstahl, gefährliche Körperverletzung, Einbruch und versuchter Totschlag. Dabei war er erst 19 Jahre alt. Was soll man so einem jungen Mann sagen, der sein Leben schon dermaßen verpfuscht hat?
Acht Jahre später trafen wir uns wieder. Willi hatte seine Haftstrafe abgesessen. Nach 6 Jahren war er wegen guter Führung vorzeitig entlassen worden. Ausführlich sprachen wir über sein Erleben, sein Leben und darüber, wie es ihm in der Freiheit ergangen war. »Niemals hätte ich mein Leben geändert. Es war cool. Ich hatte genug Geld, konnte tun und lassen, was ich wollte. Die Spannung, nicht erwischt zu werden, war permanent vorhanden, aber den Kitzel habe ich gebraucht. Bis zu jenem Tag, als mein Kartenhaus zusammenbrach. In der Zelle vergingen die Tage nicht. Wegen der Brutalität meiner Straftaten war ich lange in Einzelhaft. Das Einzige, was ich tun konnte, war, in der ausgelegten Bibel lesen. Zuerst war es nur öde. Man, wer hat sich solch einen Unsinn ausgedacht, sagte ich mir. Doch eines Tages stieß ich auf diesen Satz: ‚Du sollst nicht für dieses Volk bitten, dass es ihm gut ergehen möge!‘ Mir ging es damals nicht gut, überhaupt nicht gut. Ich war verzweifelt.
Wäre es mir weiter gut gegangen, hätte ich mein Leben nie in den Griff bekommen. Aber in meiner Not fing ich an zu beten. Gott machte mir klar, dass ich meine Probleme nicht alleine in den Griff bekommen würde. Leute von einer Gefährdetenhilfe besuchten uns und erzählten von Jesus, der unser Leben erneuern will. Und dann, nach Monaten, habe ich Jesus mein Leben, meine Sünden, meinen ganzen Pfusch anvertraut. Ich bin so froh, dass es mir damals nicht gut ging, weil ich nur dadurch erkannt habe, dass ich Jesus wirklich brauche!«

Peter Lüling
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Frage
Welche Lebenskrisen sind Ihnen zum Segen geworden?
Tipp
In Krisen zeigt sich, wer wirklich helfen kann.
Bibellese
Hiob 11,13-20

Dienstag, 12. Oktober 2021: Jetzt gehen die Fenster nicht mehr auf!

Lydia ist tot! Die Nachricht von ihrem Tod verbreitete sich in der Seniorensiedlung in Windeseile, wie ein Lauffeuer. Die 86-jährige hatte noch einen Tag vorher mit ihrer Flöte am offenen Fenster Lieder und Choräle gespielt. Seit vielen Jahren öffneten die Senioren um acht Uhr die Fenster, wenn Lydia sie mit ihren Musikstücken erfreute. Die Flöte ist verstummt; jetzt gehen die Fenster nicht mehr auf.
Lydia wohnte im Erzgebirge. Sie fand kurz nach der Wende in einer Wanderhütte ein Neues Testament. Sie erzählte: »Ich las fleißig in der Bibel, und Gott schenkte mir immer Christen zur Seite, die mir den Inhalt der Bibel erklärten. So durfte ich begreifen, dass Gott mich liebt und sein Sohn, Jesus Christus auch für meine Sünden am Kreuz gestorben ist. Das machte mich sehr froh und dankbar. Ich habe mich gefragt: Wie können andere Menschen an meiner Freude teilhaben? Da kam mir die Idee, morgens am offenen Fenster zu musizieren. Als Flüchtlinge aus Syrien zu uns kamen, durfte ich einer Familie helfen, die deutsche Sprache zu erlernen. Anhand der Gideon-Bibel in ihrer Heimatsprache und der deutschen Übersetzung vermittelte ich die deutsche Sprache. Meine 16-jährige Enkeltochter hat mich überrascht, als sie sagte: *Oma, ich möchte einmal so werden wie du. Du weißt, wozu du lebst!*«
Wenn Gott jemandem das Herz öffnet, damit er auf seine Worte hören kann, verändert das nicht nur diesen Menschen, sondern auch seine Umgebung. Wie ein Lichtstrahl, der in einen dunklen Garten fällt, wird der Blick plötzlich frei auf etwas Schönes, was man bisher nicht wahrnehmen konnte. Und wenn man mit einem solchen Menschen Umgang pflegt, dann wird man bald darauf stoßen, was aus ihm einen so angenehmen Menschen machte.

Detlef Kranzmann
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Frage
Kennen Sie auch so einen Menschen?
Tipp
Gott liebt den, der fröhlich und bereitwillig gibt, und er beschenkt ihn, damit er anderen Gutes tun kann.
Bibellese
Apostelgeschichte 16,11-15.40

Montag, 11. Oktober 2021: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Dieses Sprichwort ist relativ jung und erst im 20. Jahrhundert entstanden. Ein gewisses Vorbild findet sich jedoch schon bei Cicero: Dum spiro spero (»Solange ich atme, hoffe ich«). Egal, wie schlecht die Lage ist: Man bleibt bis zum Ende zuversichtlich, dass sie sich bessern wird. Es ist ein Sprichwort, das wir hier in Italien sehr oft hören. Wenn wir an das vergangene Jahr denken, dann hat das Thema »Corona« diesem Sprichwort noch mehr Auftrieb verschafft, weil viele Menschen nicht wussten, wie die Zukunft werden wird.
Hoffnung in der Bibel entspricht allerdings nicht der Bedeutung, die diesem Begriff normalerweise gegeben wird, nämlich dem Wunsch nach etwas Besserem in der Zukunft. Hoffnung – in diesem Sinn verstanden – beinhaltet Unsicherheit, Zweifel und ängstliches Warten. Die biblische Hoffnung ist jedoch die zuversichtliche Erwartung, dass das, was wir erwarten, ganz sicher geschehen wird. Mit anderen Worten, die biblische Hoffnung erwartet und vermutet nicht nur. Und warum? Weil sie nicht auf Zufall, Wahrscheinlichkeiten oder Vertrauen in Menschen gründet, die unzuverlässig sind, sondern auf festen und sicheren Wahrheiten und Verheißungen, die von einem zuverlässigen Gott stammen! In der Bibel ist Hoffnung also nichts anderes, als an die Erfüllung der Verheißungen Gottes zu glauben. Und das erzeugt vor allem Frieden, Sicherheit und Befreiung von der Angst. Diese Hoffnung gibt uns auch Weisheit und Kraft, um jeder Situation zu begegnen, auch den schwierigen.
Wie David schreibt, lernen wir, auf Jesus zu hoffen, indem wir ihm jeden Anlass unserer Angst und Sorge überlassen und ihm unser volles Vertrauen zeigen! Biblische Hoffnung ist ein sicherer und fester Anker, weil Gott selbst für die Erfüllung seiner Verheißungen bürgt.

Thomas Kröckertskothen
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Frage
Auf was bauen Sie ihre Hoffnung?
Tipp
Wer auf Gott vertraut, kann in Frieden leben.
Bibellese
Psalm 39

Sonntag, 10. Oktober 2021: Hass (2)

Gestern haben wir gesehen, wie schlimm der Hass ist, und an wen man sich wenden kann, um in einer solchen Situation standzuhalten und Hilfe zu erfahren. Christen können sich Gott anbefehlen und von ihm erbitten, sich für sie einzusetzen. Dann hat Gott schon oftmals eine wunderbare Veränderung der Lage herbeigeführt.
Wenn wir allerdings auf Jesus Christus blicken, so ist er ein Beispiel dafür, dass ein Gerechter nicht immer von dem verschont bleibt, was ihm seine Hasser zufügen. Bei Jesus Christus, dem Sohn Gottes selbst, war das der Fall. Der Tagesvers drückt aus, dass er, als er am Kreuz hing, mit dieser Tatsache innerlich kämpfte. Sein Leiden und Sterben hatte jedoch ein höheres Ziel, nämlich unsere Vergebung der Sünden, und deshalb hat er das für uns ausgehalten – bis zum Tod.
Ein solch höheres Ziel kann auch heute gegeben sein, wenn auch niemals so universal und so weitreichend wie im Falle des Opfers Jesu am Kreuz. Viele christliche Märtyrer litten zum Beispiel um ihres Glaubens und um des Evangeliums willen. Doch vielen half dann, dass Christus sich mit all denen identifiziert, die sich für seine Sache einsetzen und dafür verfolgt, misshandelt und getötet werden. Das verleiht ihnen Stärke und Kraft, um alles bis zum Ende auszuhalten, so wie ihr Herr und Retter auch. Sie können ihre Rechtfertigung Gott anbefehlen, der sie ihnen zuteilwerden lässt, wann immer er das für richtig hält – spätestens aber in der himmlischen Herrlichkeit, d. h. in der Auferstehung.
Der Tod konnte Jesus Christus nicht festhalten, er ist auferstanden. Genauso wenig werden die, die im Glauben an ihren Gott und Herrn gestorben sind, vom Tod festgehalten, sondern werden auferstehen und ewig leben. Angesichts dessen kann man dann seinen Hassern sogar vergeben.

Joachim Pletsch
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Frage
Können Sie um höherer Ziele willen Hass aushalten?
Tipp
Für so etwas wird man von Gott mit besonderer Kraft ausgestattet.
Bibellese
Lukas 23,33-43

Samstag, 09. Oktober 2021: Hass (1)

Im Leben bekommt man es mit ganz unterschiedlichen Menschen zu tun. Darunter sind manchmal auch Hasser oder neudeutsch »Hater«. In den sozialen Medien des Netzes tummeln sie sich und verbreiten manches Gift.
Hass ist eine Einstellung, die sich mit Vernichtungswillen verbindet. Man kann manchmal nicht verhindern, gehasst zu werden, selbst wenn man niemandem etwas Böses getan hat. Im Tagesvers ist von sieben Gräueln im Herzen des Hassers die Rede. Später werden dort drei davon genannt: Grimm, Zorn und Eifersucht. Hass wird früher oder später offenbar, auch wenn er zunächst verborgen bleibt. Plötzlich bricht er sich Bahn. Irgendetwas – ein Wort, ein Blick, eine Handlung – wird zum Auslöser, bringt das Fass zum Überlaufen, und der Hass mündet in eine Aktion, die zur Vernichtung dessen führen soll, der dem Hasser ein Dorn im Auge ist. Vielleicht kommt das für alle überraschend; mit der inneren Ruhe dessen, der angegriffen wurde, ist es jedenfalls erst einmal vorbei. Furcht wird sein Herz erfüllen: Was wird noch alles kommen und mich in Angst und Schrecken versetzen, vielleicht sogar mein Leben bedrohen?
Wie geht man mit Hass um? Wird der Hass auf den Hasser zurückfallen? Kehrt der Stein, den jemand auf mich wälzen will, auf den zurück, der das tut? Bis es so weit ist, werden vielleicht manche bangen Stunden vergehen. Als Christ kann man Zuflucht zu Gott nehmen angesichts derer, die uns mit grausamem Hass hassen. »Bewahre meine Seele und errette mich! Lass mich nicht beschämt werden, denn ich nehme Zuflucht zu dir«, betet der Psalmist (Psalm 25). Gott ist ein Gott der Hilflosen und Schwachen. Er kann den Bedroher selbst in Angst und Schrecken versetzen und den, der ihn demütig bittet, beschützen.

Joachim Pletsch
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Frage
Können Sie auch so zu Gott beten?
Tipp
Dazu muss man sich von Gott zeigen lassen, was man selbst an bösen Dingen im Herzen hat, und ihn um Vergebung bitten.
Bibellese
Psalm 25

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