Sonntag, 01. Dezember 2024: Weihnachtslieder und ihre Geschichte: Macht hoch die Tür, Johannes 19,15

Die Entstehungsgeschichte des gleichnamigen Adventsliedes reicht bis in das 17. Jahrhundert zurück, und es ist über die Grenzen der christlichen Konfessionen hinweg beliebt. Inhaltlich thematisiert es – passend zum Advent – die freudige Erwartung des Gottessohnes, dessen Geburt dann zu Weihnachten gedacht wird. Der Erwartete wird beschrieben als der »Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt …« In einer weiteren Strophe heißt es: »O wohl dem Land, o wohl der Stadt, so diesen König bei sich hat.«

Tatsächlich ist Jesus Christus, der Sohn Gottes, als König in jeder Hinsicht besser als alle Herrscher dieser Welt. Wenn man sein Verhalten während seiner irdischen Lebenszeit betrachtet, erkennt man, dass dies durchweg positive Auswirkungen auf seine Umgebung hatte: Er war gerecht, unbestechlich, geduldig, liebevoll, fürsorglich. Er gab Tausenden von Menschen zu essen, er heilte Lahme, Blinde, Stumme, Aussätzige, er weckte Tote auf, er holte Ausgestoßene in die Gesellschaft zurück usw. Wer, wenn nicht dieser Jesus, erfüllte alle Voraussetzungen dafür, der ideale König über sein Volk zu sein? Wohl dem Land, das diesen König bei sich hat!

Die Reaktion seiner Zeitgenossen war allerdings schlussendlich eine völlig andere: »Wir wollen nicht, dass dieser über uns König ist. Weg mit ihm!« Angesichts der beschriebenen Eigenarten Jesu erscheint uns dies unglaublich. Doch bei Licht betrachtet verhalten sich sehr viele Menschen heute im Ergebnis ganz genau so: Trotz aller Zuwendung, Freundlichkeit, Geduld und Menschenliebe Gottes will letztlich kaum jemand, dass Gottes Sohn tatsächlich die Herrschaft über sein Leben ausübt.

Markus Majonica

Samstag, 30. November 2024: Verängstigt?, Matthäus 28,20

Unser Sohn war knapp dreijährig, als junge Familienfreunde sich einen Spaß daraus machten, ihn zu verängstigen und ihm Geschichten über einen »Poltermann« erzählten, der Kleinkinder fressen würde. Wir lebten nicht weit von einer Moschee entfernt und die Gebetsrufe waren unüberhörbar. Diese, so erklärten die Jungs unserem Sohn, seien die Rufe dieses »Poltermannes«. Es war ein Schock für den Kleinen, dass dieser Bösewicht offensichtlich schon so nahe war.

Was konnten wir tun, um ihm diese Angst zu nehmen? Die Gebetsrufe ertönten ja fünf Mal am Tag. Zureden allein genügte nicht. Also nahm ich Amanuel an der Hand und bat ihn, mir jetzt einfach zu vertrauen und mir zu folgen. Ich erklärte ihm, er brauche keine Angst zu haben, denn wie sein Name sagt, ist Gott mit uns. Wir würden jetzt gemeinsam hingehen, und ich würde ihm die Wahrheit zeigen. Anfangs zögerlich, aber dann immer vertrauensvoller folgte mir unser Sohn zur Moschee. Ich erklärte, dass dies das Gebetshaus unserer muslimischen Mitbürger sei, wozu auch einige unserer persönlichen Freunde gehörten. Von Zeit zu Zeit würden hier über Lautsprecher die Gläubigen zum Gebet aufrufen – also doch kein »Kleinkinder fressender Poltermann«! Mit festem Händedruck lauschten wir dem Gebetsruf und marschierten nachher friedlich nach Hause. Die Jungs hatten keine Chance mehr, Amanuel zu verängstigen.

Jesus verspricht denen, die an ihn glauben und ihm vertrauen, bei ihnen zu sein »bis zum Ende der Zeit«. Wir dürfen – im Bild gesprochen – seine Hand ergreifen. Er kennt alle unsere Nöte und will uns helfen, sie auszuhalten und zu überwinden. Doch er freut sich, wenn wir auch in guten Zeiten seine Hand dankbar drücken und uns von ihm leiten lassen.

Martin Grunder

Freitag, 29. November 2024: Das Wirken Gottes in der Welt, Habakuk 1,5

Mit stereotyper Gründlichkeit wurde in den Medien während der Pandemie immer wieder von Corona berichtet. Alles andere trat zeitweise völlig in den Hintergrund. Auch die Frage, ob Gott etwas damit zu tun hat, wurde von manchen diskutiert. Es gibt tatsächlich ein Ereignis, das erwähnt und an das permanent erinnert werden sollte, von dem die Bibel sehr klar und deutlich bezeugt, dass Gott es gewirkt hat. Gott hatte durch die Propheten im Alten Testament dieses besondere Ereignis sogar angekündigt, wie unser Tagesvers deutlich macht. Und es war tatsächlich ein Werk, über das man staunen konnte.

Es ist ein Ereignis, von dem die Bibel mehr als von jedem anderen spricht: Viele ihrer »Schlagzeilen« weisen auf Jesus Christus hin, der in diese Welt kam, um uns von unserer Sünde und Schuld zu befreien und uns die Hoffnung zu geben, durch Glauben Anteil an seiner neuen Welt ohne Sünde, am Reich Gottes, erhalten zu können.

Was geschah damals im Einzelnen? Der Sohn Gottes wurde als Mensch geboren, wuchs in einer jüdischen Familie auf und begann schon als Kind, deutlich zu machen, wer sein tatsächlicher Vater war. Und dass er gekommen war, um sein Volk zu erlösen, wurde durch Aussprüche vor und nach seiner Geburt schon glasklar bezeugt. Sein späteres öffentliches Auftreten im Alter von etwa 30 Jahren war dann genau das Gegenteil von dem, was ein Virus bewirkt. Er half den Menschen, heilte Kranke und weckte Tote auf. Und er vergab Sünden. Und die Grundlage dafür legte er am Ende selbst, indem er ans Kreuz ging, um für uns Menschen die Strafe für die Sünde auf sich zu nehmen. Gottes gerechtes Gericht über die Sünde traf den, der selbst ohne Sünde war. Sollte man daraus nicht Hoffnung schöpfen?

Joachim Pletsch

Donnerstag, 28. November 2024: Wie werde ich ein durchsetzungsstarker Redner?, 2. Mose 4,10

Das Versprechen klingt traumhaft: Wer diesen Stein küsst, soll zum wortgewandten Redner werden. Der sagenumwobene Stein der Redekunst ist Teil von Blarney Castle, einem alten Schloss im Süden Irlands. Etwa 300 000 Besucher nehmen dort jedes Jahr lange Wartezeiten in Kauf, um den Turm der Schlossruine zu besteigen und dem Stein einen Kuss aufzudrücken. Als prominentes Beispiel gilt der ehemalige Premierminister Winston Churchill, der als überzeugender Redner in die Geschichte eingegangen ist.

Manche Menschen können sich gut ausdrücken und ihre Interessen unmissverständlich vertreten. Mir dagegen fällt es oft schwer, die richtigen Worte zu finden. Häufig gibt es Situationen, in denen ich mich sprachlos fühle. Gerade wenn mein Gesprächspartner eine andere Meinung vertritt, kostet es mich Überwindung, den Mund aufzumachen. Woher bekomme ich die Weisheit, meine Aussage so zu formulieren, dass sie beim anderen eine positive Wirkung erzeugt?

Als Mose einem Auftrag Gottes mit dem Hinweis auf seine mangelnde Redekunst ausweicht, erinnert Gott ihn daran, wer ihm den Mund gegeben hat. Der Schöpfer selbst sagt ihm seine Hilfe beim Reden zu. Darum darf auch ich mich im Gebet an den lebendigen Gott wenden und ihn um Weisheit bitten. In Jakobus 1,5 ermutigt er uns: »Wenn es aber einem von euch an Weisheit fehlt, bitte er Gott darum, und sie wird ihm gegeben werden; denn Gott gibt allen gern und macht dem, der ihn bittet, keine Vorhaltungen.« Trotz meinem Gebet verläuft nicht jedes Gespräch wunschgemäß. Doch ich weiß: Gott ist mir in allen Alltagssituationen nah. Darum will ich mein Vertrauen auf ihn statt auf geheimnisvolle Steine setzen – er versteht mich sogar, wenn mir die Worte fehlen.

Andreas Droese

Mittwoch, 27. November 2024: Optimist, Pessimist – oder Realist?, 4. Mose 14,8

Die Geschichte Israels umfasst eine lange Wanderung durch die Wüste Sinai, an deren Ende das »gelobte Land«, Israel, stehen sollte. Gott hatte seinem Volk dieses Land fest versprochen, allen Widerständen zum Trotz. Nun zogen Kundschafter voraus, um die Lage am Zielort zu sondieren (siehe 4. Mose 13). Zehn kamen zurück und sagten: Unmöglich. Die Menschen und Städte dort sind unbesiegbar. Doch zwei weitere Kundschafter, Josua und Kaleb, hielten dagegen. Sie schlossen sich nicht der pessimistischen Sicht ihrer Mitkundschafter an. Die Bevölkerung damals hörte allerdings lieber auf die zehn, die die Situation schlechtredeten. Der Optimismus von Kaleb schien realitätsfern. Besser sofortiger Rückzug! Die zehn Pessimisten schienen die Lage besser einschätzen zu können.

Nun, Pessimist oder Optimist, letztlich ist doch die Frage: Wer war hier der »Realist«? Bei Josua und Kaleb sehen wir den entscheidenden Unterschied: Sie rechneten trotz der sichtbaren Hindernisse mit Gottes Realität und vertrauten auf seine Versprechen. Die anderen sahen ausschließlich sich selbst und ihre geringen Fähigkeiten. Sie rechneten nicht damit, dass Gott zu ihnen stehen und ihr Vorhaben gelingen lassen würde. Damit vergaben sie aber die Chance, Gottes Führung zu erleben und ans Ziel zu kommen.

Auch heute, in unserem Leben, macht es einen enormen Unterschied, ob wir damit rechnen, dass wir auf Gottes Versprechen zählen können, oder nicht. Ein Mensch mag angesichts seiner eigenen Fähigkeiten wenig Mut aufbringen und deshalb pessimistisch sein. Andererseits ist Optimismus, der auf unseren eigenen Fähigkeiten beruht, oft genauso trügerisch. Gut ist es, wie Josua und Kaleb realistisch zu sein, Gott unbedingt zu vertrauen und mit seinem Eingreifen zu rechnen.

Andreas Wanzenried

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