Donnerstag, 23. Januar 2025: »Christ und gar nichts anderes«, 2. Korinther 5,15

Heute vor 80 Jahren wurde Graf Helmuth James von Moltke wegen seines gewaltlosen Widerstandes gegen das NS-Regime im Gefängnis Berlin-Plötzensee ermordet. Der Vorwurf des »Volksgerichtshofs« unter Roland Freisler lautete: Moltke und seine Mitstreiter hätten darüber nachgedacht, wie in der Zeit nach Hitler ein Deutschland entstehen könnte, das sich auf sittliche und demokratische Grundsätze besinnt. Freisler hielt dies für ein todeswürdiges Vergehen.

Im Prozess erklärte Moltke, er stehe vor Gericht »nicht als Protestant, nicht als Großgrundbesitzer, nicht als Adliger, nicht als Preuße, nicht als Deutscher … sondern als Christ und gar nichts anderes.« Er war ein eifriger Bibelleser. »Wenn du einmal die Bibel wirklich ernsthaft zu lesen beginnst, darfst du dich nicht darauf beschränken, was dir passt, sondern du musst dich auch und gerade mit dem herumschlagen, was dir nicht passt. … Deswegen meine ich, dass meine Methode richtig ist, die ganze Bibel Wort für Wort immer wieder von vorne bis hinten zu lesen.«

Was Moltke schon früh am Nationalsozialismus störte, war dessen Absolutheitsanspruch auf den ganzen Menschen. Darin sah er eine deutliche Grenzüberschreitung und eine Ersatzreligion, die zum Scheitern verurteilt ist. Richter Freisler formulierte das Problem sehr deutlich: »Herr Graf, eines haben das Christentum und wir Nationalsozialisten gemeinsam, und nur dies eine: Wir verlangen den ganzen Menschen.« Eine tiefe Jesusliebe bewegte den Grafen, den Total-Anspruch weltlicher Ideologien abzulehnen. Ein für ihn besonders prägendes Bibelzitat war Jeremia 11,19-20: »Ich war wie ein zahmes Lamm, das zum Schlachten geführt wird … Herr, dir habe ich meine Rechtssache anvertraut.«

Gerrit Alberts

Mittwoch, 22. Januar 2025: Dschungel-Erlebnisse (3), Psalm 121,8

Wenn man als Kind im Dschungel aufwächst, erlebt man viele Abenteuer, die das Leben reich machen. Obendrein minimiert die Naturverbundenheit den Drang nach medialem Konsum, wodurch sich die Kreativität frei entfalten kann. Schilder und Speere werden gebaut, Baumhäuser errichtet; es wird um die Wette geschnitzt. Als Eltern von vier Kindern sind wir uns aber auch der allgegenwärtigen Gefahr, die solche »Kreativität« mit sich bringt, bewusst. Täglich beten wir um Bewahrung. Oft haben wir diese schon erfahren, andere Male haben wir ganz praktisch Gottes Fürsorge in Notfällen erlebt.

Ein Beispiel vom Beginn des Jahres 2024: Wir hatten gerade Besuch aus Deutschland. Und nicht irgendwelchen – denn normalerweise kommen Gäste nicht ausgerüstet mit einem Koffer voller Medikamente, Nähzeug und medizinischer Instrumente zu uns. Unsere Besucherin schon, sie ist nämlich leidenschaftliche OP-Schwester. Doch hatte niemand damit gerechnet, dass sie auch bei uns einige OPs durchführen würde … Nur Gott wusste das bereits! Zwei Stunden nach ihrer Ankunft hatten wir schon die erste klaffende Kopfwunde, die sich ein betrunkener Mann aus unserem Dorf selbst zugefügt hatte. Sie musste mit vier Stichen genäht werden. Zwei Tage später hörten wir vom Fluss her einen markerschütternden Schrei. Kurz darauf sahen wir unseren siebenjährigen Jungen blutüberströmt auf uns zukommen – mit einem Loch in der Wange! Wir wären mit dieser Situation völlig überfordert gewesen, doch unser Herr Jesus Christus hatte uns zur richtigen Zeit seine Hilfe geschickt.

Diese und andere Erlebnisse mit Gott haben uns gelehrt, ihm in jeder Lage zu vertrauen. Kein Notfall kommt für ihn unerwartet! Wenn wir uns hilflos fühlen, hat er doch alles unter Kontrolle.

Tony Keller

Dienstag, 21. Januar 2025: Dschungel-Erlebnisse (2), Kolosser 3,15

Durch unser langjähriges Sprach- und Kulturstudium haben wir nicht nur gelernt, wie wir uns mit unseren einheimischen Freunden verständigen können, sondern sind auch ein Teil der Gesellschaft geworden. Hier ist das Verständnis von Privateigentum so gut wie nicht vorhanden. Alles wird geteilt, geliehen oder erbeten. Die wörtliche Übersetzung für die Frage »Dürfte ich bitte etwas davon haben?« lautet: »Gib mir meins!«. Nicht einmal die lästigen Läuse sind Privateigentum, sondern werden aus den Haaren der anderen gepickt und in die eigenen gesteckt!

Im Januar 2024 hatten wir eine Läuseplage im Haus, die uns über Wochen auf Trab hielt und an der wir fast verzweifelten. Das erinnerte uns an die Geschichte von Corrie ten Boom, die mit ihrer Schwester Betsie in einem Konzentrationslager der Nazis gefangen gehalten wurde. In einer Baracke eng zusammengepfercht mussten sie nicht nur gegen den Hunger und verschiedenste Krankheiten ankämpfen, sondern auch gegen die lästigen Läuse. Betsie erinnerte ihre Schwester an die Aufforderung aus 1. Thessalonicher 5,18: »Seid dankbar in allem!« Doch Corrie fand keinen Grund, warum sie für diese Biester dankbar sein könnte. Was Corrie und Betsie erst später begriffen, war, dass die Wärter wegen der Läuse die Baracke nicht betraten. Die Läuse waren also der Grund, warum die beiden Schwestern ungestört Bibelstunden halten und die anderen Insassen ermutigen konnten! Der Fluch wurde zum Segen.

Ermutigt durch diese Geschichte fingen auch wir an, Gott für die Läuse zu danken. Und auch wir merkten, dass die Läuse einen Zweck erfüllten. Sie vertieften nämlich unsere Beziehungen im Dorf, denn es gibt nichts, was unsere Freunde mehr lieben, als gemütlich bei uns auf der Terrasse zu sitzen und uns zu entlausen.

Tony Keller

Montag, 20. Januar 2025: Dschungel-Erlebnisse (1), 1. Mose 8,4

Seit einigen Jahren leben wir als Familie mit vier Kindern in einem recht abenteuerlichen Umfeld: Wir wohnen mitten in einem undurchdringlichen Dschungel, wobei der Fluss vor unserem Haus die einzige Verbindung mit der Zivilisation darstellt. Internet und Strom gibt es nicht. An so einem Ort erlebt man natürlich viele Abenteuer! Die folgenden Erlebnisse haben eine Sache gemeinsam, nämlich, dass wir durch sie die Realität Gottes erfahren haben.

In der Regenzeit regnet es bei uns manchmal so heftig, dass unser Fluss um 3-4 Meter anschwillt. In jener Nacht regnete es wie aus Eimern. Mehrere Male wachte ich auf und beobachtete besorgt den steigenden Wasserstand. Unser Holzboot trieb wie ein Pingpongball in den Wasserströmen hin und her. Als ich in der Morgendämmerung erneut nach dem Boot schauen wollte, war der Schock groß: Es war weg, das Seil war gerissen! Panik und Hilfslosigkeit stieg in mir auf. Was jetzt? Ich weckte meine Frau und die Kinder, erklärte ihnen die Situation, und wir fingen an, gemeinsam zu beten. Während des Gebets kam mir die Geschichte von Noah in den Sinn und so betete ich: »Herr, du bist der Gott, der bei der Sintflut die Arche bewahrt hat und sie sicher auf dem Berg stranden ließ. Herr, du kannst doch auch unser Boot bewahren!« Doch gleich, nachdem ich so gebetet hatte, stiegen Zweifel in mir auf, denn weggeschwemmte Boote erleben hier oft kein Happy End. Sie verschwinden einfach spurlos.

Wie groß aber war unsere Dankbarkeit, als am Nachmittag der Suchtrupp zurückkam und freudestrahlend berichtete, dass sich unser Boot wie durch ein Wunder flussabwärts in einem Busch verfangen und die Karussellfahrt völlig unbeschadet überstanden hatte. Wieder einmal haben wir erlebt: Gott tut Wunder und erhöht Gebet – auch noch heute!

Tony Keller

Sonntag, 19. Januar 2025: »House of One«, Johannes 17,11

In Berlin soll dieses Jahr das »House of One« (»Haus des Einen«) eröffnet werden – ein allererstes Bet- und Lehrhaus für Christen, Juden und Muslime zugleich. Unter einem Dach können so alle drei Religionen ihre Gottesdienste abhalten und vor allem den interreligiösen Dialog suchen. Hinter diesem Begriff verbirgt sich die Hoffnung, dass durch einen intensiveren Austausch über die jeweiligen religiösen Ansichten die Gemeinsamkeiten hervortreten, die Unterschiedene marginalisiert werden und dadurch das Konfliktpotenzial verschwindet.

Wenn es um die Einheit der drei monotheistischen (mono = eins; theistisch = göttlich) Religionen geht, wird häufig der Tagesvers angeführt. Wird hier denn nicht darauf verwiesen, dass es um den einen Gott geht und alle Konflikte über alles, was darüber hianusgeht, abgelegt werden sollen? Nun, unabdingbar für das richtige Verständnis einer Aussage ist die Information über den Sprecher. Dieser ist hier Jesus (Johannes 17,1). Er spricht als Gottes Sohn zu Gott als seinem Vater: »Heiliger Vater!« Und er verweist darauf, dass Gott seinen Namen – also seine Göttlichkeit – ihm, Jesus, gegeben hat. Nur dadurch konnte Jesus die Schuld der Menschen tragen und eine Rettung schaffen, auf deren Grundlage eine perfekte Einheit möglich ist.

Darin liegt nun aber der Knackpunkt im Blick auf die »Religionen des Einen«: Im Islam wird Jesus die Gottessohnschaft und damit die Göttlichkeit aberkannt, er ist ein Prophet (Isa). Die Juden ordnen ihn als Gelehrten ein und warten weiterhin auf den Messias. Kein interreligiöser Dialog und kein House of One kann das vereinen, was sich widerspricht, und eine Rettung schaffen, die nicht durch Jesus geschieht. Denn er sagt: »Niemand kommt zum Vater als nur durch mich« (Johannes 14,6).

Joel Höfflin

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