Mittwoch, 08. Januar 2025: Das Laster vom Lästern, Jakobus 4,11

»Hast du schon gehört?« – »Nein, wirklich?!« – »Schon seit Wochen läuft das so!« – »Tz! Typisch …« Wahrscheinlich haben Sie in der letzten Woche den ein oder anderen Satz gehört, der in diese Richtung ging. Entweder über den Chef, den Kollegen, oder die Schwiegermutter. Es scheint fast ein Naturgesetz zu sein: Dort, wo Menschen zusammen sind, gibt es sie, diese heimlichen, verbalen Schlammschlachten. Es ist so leicht mitzumachen. Und nicht selten ist an dem Gerede ja auch etwas dran. Man fühlt sich gut dabei, irgendwie stärker, besser als derjenige, über den gelästert wird. Seltsam ruhig wird es, wenn plötzlich ein Unbeteiligter oder gar die Zielscheibe selbst den Raum betritt.

Das Laster vom Lästern vergiftet Beziehungen, zerstört Teamgeist und schafft unsichtbare, aber unüberwindbare Mauern zwischen Kollegen, Freunden und Familien. Aber vor allem zeigt die schlechte Angewohnheit des abfälligen Redens zwei entlarvende Dinge über uns selbst. Erstens haben wir Menschen ein hochsensibles Radar für das Fehlverhalten anderer, aber ein oft völlig betriebsgestörtes Radar für unsere eigenen Verfehlungen. Zweitens ziehen wir eine unheimliche Energie aus dem Verbreiten übler Nachrede, brauchen aber für eine direkte, ehrliche Aussprache mit dem- oder derjenigen eine gewaltige innerliche Überwindung. Im Zweifelsfall sind wir Feiglinge, beziehungstechnische Drückeberger. Das steckt in uns drin.

Auch die in dem Tagesvers angesprochenen Christen hatten mit Lästern ein Problem. Gott weiß, wie destruktiv Lästern ist, und ist deshalb auch so strikt: »Hört auf damit!« Wie befreiend eine ehrliche, konstruktive Aussprache ist, hat hoffentlich jeder von uns schon einmal erlebt. So viel an Ihnen liegt, tun Sie den ersten Schritt!

Jan Klein

Dienstag, 07. Januar 2025: Durcheinandertal, Matthäus 14,29

Der letzte Roman des Schweizer Schriftstellers Friedrich Dürrenmatt (1921-1990) trägt den Titel Durcheinandertal und erschien 1989. Der Titel ist Programm, auch für unsere Tage. Krieg in Europa und an anderen Orten, Flüchtlingsströme auf dem gesamten Globus, steigende Inflationsraten, unerklärliche Entwicklungen, unfassbare Gewalttaten, religiöse Kämpfe, rapide zunehmende Ängste vor der Zukunft usw.

Als Gott sich Mose im brennenden Dornbusch vorstellt, sagt er zu ihm: »Ich bin, der ich bin! Ich bin da!« (2. Mose 3,14). Das ist das so gewaltige wie einfache Geheimnis, wie unsere aufgewühlten Seelen Ruhe und Frieden finden können: Gott ist da! Jesus ist da! Bei uns und mit uns und für uns ist der Schöpfer des Universums, der Erste und der Letzte, das Alpha und das Omega, der Herr aller Herren, der König aller Könige, der Mann von Golgatha, der Sohn Gottes, Gott selbst! Mehr geht nicht. Charles Wesley (1703-1791), der Mitbegründer des Methodismus, rief auf seinem Sterbebett zweimal aus: »Das Beste von allem ist, dass Gott mit uns ist!«

Jesus ist unsere Rettungsinsel inmitten einer stürmischen See. Das Kreuz von Golgatha steht fest, mag auch der Erdball wanken. Jesus sieht die Menschen und Völker, und er ist »innerlich bewegt über sie, weil sie wie Schafe sind, die keinen Hirten haben« (Markus 6,34). Er sieht Sie in Ihren Nöten. Er ist innerlich bewegt über Sie. Er ruft Sie zum Kreuz. Er gibt stellvertretend für Sie sein Leben im göttlichen Gerichtssturm über die Sünde auf Golgatha, und ruft in das tosende Meer des Durcheinandertals jedem Suchenden zu: »Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben« (Matthäus 11,28).

Martin von der Mühlen

Montag, 06. Januar 2025: »Heilige drei Könige«, Matthäus 2,10

Der Tagesvers spricht über die Männer, die häufig als »Heilige drei Könige« bezeichnet werden. Die Bibel nennt sie schlicht »Magier« und nicht Könige. Dass es drei waren, steht auch nicht in der Bibel. Diese Männer kamen jedenfalls aus dem Osten (von Israel gesehen), wohl aus einer Gegend, die von der babylonischen Sternenkunde geprägt war. Diese Magier hatten ein kosmisches Ereignis wahrgenommen: Ein Stern war erschienen, den sie zuvor noch nie gesehen hatten. Offenkundig waren sie Fachleute und folgerten, dieser Stern müsse die Geburt eines Königs ankündigen, des Königs der Juden. Sie folgten dem Stern und kamen nach Jerusalem, wo sie über Herodes und dessen Berater Näheres zum Geburtsort des neuen Königs erfuhren: Betlehem. Dorthin zogen sie, unter der Leitung des Sterns. Am Ziel fanden sie Jesus Christus, verehrten ihn als den neuen König Israels und brachten Geschenke.

Was können wir aus dieser Begebenheit lernen? 1. Gott spricht zu diesen Menschen, und zwar in einer ihnen verständlichen Sprache. 2. Er führt sie durch den erscheinenden Stern zu Jesus. 3. Sie machen sich auf den Weg und folgen Gottes Hinweis. 4. Sie anerkennen Jesus als König und beten ihn an.

Darin sind diese Männer uns allen ein Vorbild. Denn: 1. Gott spricht heute auch noch, sehr deutlich, nämlich in erster Linie durch die Bibel. Wir alle haben heute eine Bibel in der Übersetzung in eine uns verständliche Sprache. 2. Wenn wir den Hinweisen der Bibel folgen, führt sie uns notgedrungen zu Jesus. Denn er ist das zentrale Thema der Bibel.

Nur mit den Punkten 3 und 4 hapert es oft: Wer macht sich trotz der deutlichen Sprache Gottes wirklich auf den Weg? Und wer anerkennt Jesus als König und betet ihn an?

Markus Majonica

Sonntag, 05. Januar 2025: Der entscheidende Blick, Jesaja 45,22

Charles Haddon Spurgeon (1834-1892) war einer der bekanntesten Prediger des 19. Jahrhunderts. Bereits im Alter von 19 Jahren wurde er Baptistenpastor und war mit 22 der bekannteste Verkündiger seiner Zeit. Das Londoner Metropolitan-Tabernacle-Gebäude, in dem er später mehrmals wöchentlich 31 Jahre lang predigte, hatte 5000 Sitz- und 1000 Stehplätze. Seine Predigten wurden mitstenografiert, jede Woche in hohen Auflagen gedruckt und für einen Penny verkauft.

Wie begann sein Leben als Christ? Am 6. Januar 1850 im Alter von 15 Jahren geriet Spurgeon in einen Schneesturm. Er war sehr niedergeschlagen. Schmerzlich empfand er, dass er vor Gott ein schuldbeladener Sünder war. »Ich vegetierte als ein elendes Geschöpf vor mich hin und fand keine Hoffnung, keinen Trost. Sechs Monate lang betete ich aus tiefstem Herzen, unter großer Angst, fand jedoch keine Erhörung.« Vor dem eisigen Wetter suchte er Schutz in der Kapelle der Methodisten. Wenige ältere Menschen nahmen am gerade stattfindenden Gottesdienst teil. Der Prediger war nicht erschienen, wohl wegen des Wetters. »Endlich betrat ein sehr kränklich aussehender Mann die Kanzel, schlug seine Bibel auf und las diese Worte: Blicket auf mich, so werdet ihr gerettet, all ihr Enden der Erde! Während er seine Augen auf mich richtete, sagte er, als ob er mein ganzes Herz durchschaute: Junger Mann, du bist bekümmert. Gewiss war ich das. Du wirst nie deinen Kummer verlieren, wenn du nicht auf Christus blickst! Und dann rief er …: Blicke! Blicke! Blicke! Es ist nur nötig, zu blicken!«

Was Spurgeon in diesem Moment erkannte, blieb für sein ganzes Leben bestimmend. Sein Altersbekenntnis lautete: »Meine ganze Theologie ist auf vier Worte zusammengeschrumpft: Jesus starb für mich!«

Gerrit Alberts

Samstag, 04. Januar 2025: Was ist Zeit?, 2. Petrus 3,8

Für die Vorbereitung dieses Textes fragte ich Google nach der Definition von Zeit. Ich erhielt folgende Antwort: »Die Zeit beschreibt die Abfolge und Dauer von Ereignissen und hat eine große Bedeutung für Alltag, Physik und Wissenschaft. Die Einheit der Zeit ist die Sekunde, die kleinstmögliche Zeitdauer ist die Planck-Zeit. Die Zeit … läuft immer gleichmäßig Richtung Zukunft.«

Das heißt, das sprichwörtliche Rad der Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Das wird vor allem dann schmerzlich spürbar, wenn eine geliebte Person stirbt, mit der man noch etwas hätte besprechen sollen – aber, weil man bei früherer Gelegenheit »keine Zeit« hatte, ist es jetzt zu spät. »Keine Zeit« zu haben ist heute leider sehr verbreitet. Oft rennen wir gehetzt hinter den Minuten her, wollen noch dieses oder jenes tun, nur um abends ermüdet und ernüchtert festzustellen, dass die Zeit dafür nicht gereicht hat.

Tragisch ist, wenn man am Ende des Lebens merkt, dass man sich für die wirklich wichtigen Dinge keine Zeit genommen hat. Für die Pflege guter Beziehungen zu Familie, Freunden und Arbeitskollegen zum Beispiel. Aber noch schlimmer ist es, wenn man nie Zeit für Gott und die großen Fragen des Lebens hatte, weil man dieses unangenehme Thema immer auf später verschoben hat.

In der Bibel finden wir Hilfestellungen, um uns aus unserer Zeitnot zu befreien. So bittet Mose Gott in Psalm 90,12: »Lass uns begreifen, wie viel Zeit uns noch bleibt, damit Weisheit unser Wesen bestimmt.« Mose hat den Gedanken an seinen Tod nicht weggeschoben, sondern Gott im Bewusstsein seiner eigenen Endlichkeit um Weisheit gebeten, wie er die ihm verbleibende Zeit nutzen sollte. Das ist ein gutes Gebet, das Gott sicher gern erhört.

Martin Grunder

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