Mittwoch, 27. November 2024: Optimist, Pessimist – oder Realist?, 4. Mose 14,8

Die Geschichte Israels umfasst eine lange Wanderung durch die Wüste Sinai, an deren Ende das »gelobte Land«, Israel, stehen sollte. Gott hatte seinem Volk dieses Land fest versprochen, allen Widerständen zum Trotz. Nun zogen Kundschafter voraus, um die Lage am Zielort zu sondieren (siehe 4. Mose 13). Zehn kamen zurück und sagten: Unmöglich. Die Menschen und Städte dort sind unbesiegbar. Doch zwei weitere Kundschafter, Josua und Kaleb, hielten dagegen. Sie schlossen sich nicht der pessimistischen Sicht ihrer Mitkundschafter an. Die Bevölkerung damals hörte allerdings lieber auf die zehn, die die Situation schlechtredeten. Der Optimismus von Kaleb schien realitätsfern. Besser sofortiger Rückzug! Die zehn Pessimisten schienen die Lage besser einschätzen zu können.

Nun, Pessimist oder Optimist, letztlich ist doch die Frage: Wer war hier der »Realist«? Bei Josua und Kaleb sehen wir den entscheidenden Unterschied: Sie rechneten trotz der sichtbaren Hindernisse mit Gottes Realität und vertrauten auf seine Versprechen. Die anderen sahen ausschließlich sich selbst und ihre geringen Fähigkeiten. Sie rechneten nicht damit, dass Gott zu ihnen stehen und ihr Vorhaben gelingen lassen würde. Damit vergaben sie aber die Chance, Gottes Führung zu erleben und ans Ziel zu kommen.

Auch heute, in unserem Leben, macht es einen enormen Unterschied, ob wir damit rechnen, dass wir auf Gottes Versprechen zählen können, oder nicht. Ein Mensch mag angesichts seiner eigenen Fähigkeiten wenig Mut aufbringen und deshalb pessimistisch sein. Andererseits ist Optimismus, der auf unseren eigenen Fähigkeiten beruht, oft genauso trügerisch. Gut ist es, wie Josua und Kaleb realistisch zu sein, Gott unbedingt zu vertrauen und mit seinem Eingreifen zu rechnen.

Andreas Wanzenried

Dienstag, 26. November 2024: Folge mir nach!, Lukas 5,27

Die im Tagesvers beschriebene Begebenheit, in der Jesus Christus in das Leben des Zöllners Levi alias Matthäus tritt, ist von großer Dramatik; sie verändert das Leben des Berufenen von einem Moment zum anderen nachhaltig. Allerdings hat sie auch grundlegende theologische Bedeutung: In der Zeit des postmodernen Wahrheitsbegriffes, in dem nichts mehr absolut wahr zu sein scheint, ist die Aufforderung des Sohnes Gottes von nicht zu überbietender Eindeutigkeit: »Folge mir nach!«

Religiös interessierten Menschen wird vielfach suggeriert, es reiche völlig aus, wenn man irgendetwas oder irgendjemandem nachfolge. Hauptsache, man versuche dabei, ein guter Mensch zu sein. Aber das ist nicht wahr. Jesus Christus sagt nicht: »Folge nach!«, »Mach dich auf den Weg nach wo auch immer!«, »Jeder Weg führt zum Ziel«. Er sagt: »Folge mir nach!« Es genügt nach der Aussage des Sohnes Gottes eben nicht, dass man z. B. einer menschenfreundlichen Lehre, einer bestimmten Idee oder einem Idealbild nachfolgt. Es genügt noch nicht einmal, Gott nachfolgen zu wollen, ohne gleichzeitig Jesus nachfolgen zu wollen. Immer wieder macht der Sohn Gottes jedem Zuhörer klar, dass Gotteserkenntnis nur über Jesuserkenntnis funktioniert. Der Weg zu Gott, dem Vater, führt exklusiv und ausschließlich über den Gottessohn: »Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich« (Johannes 14,6).

Deswegen führen eben nicht alle Wege irgendwie zu Gott, sondern nur der Weg über den Sohn Gottes. Nachfolge ohne Jesus ist inhaltslos. Biblische Nachfolge ist die Bindung allein an Christus. Ein Christentum ohne Christus ist nur ein Mythos. Und Mythen sind niemals eine verlässliche Lebensbasis.

Markus Majonica

Montag, 25. November 2024: Freude – eine Produktmarke?, Johannes 15,11

Als »Marke« (veraltet auch »Warenzeichen«) wird ein rechtlich geschütztes Zeichen bezeichnet, das dazu dient, Waren, Produkte oder Dienstleistungen eines Unternehmens von anderen Unternehmen zu unterscheiden. Ein Hersteller, z. B. Ferrero, präsentiert sich als »Marke« und erzeugt ein Produkt, z. B. Nougatcreme. Das verkauft er unter der Markenbezeichnung »Nutella«. Niemand darf nun ein anderes Produkt so nennen. Diese Marke ist unverkennbar und ihre Qualität ist auf Dauer sichergestellt.

Jesus Christus erbat sich von seinem Vater im Gebet für seine Jünger: »… damit sie meine Freude völlig in sich haben« (Johannes 17,13). Betrachten wir diese Freude einmal als »Markenprodukt« eines göttlichen Herstellers. Denn Jesus sagt ja: »meine Freude«!

Diese Freude vergeht nicht. Sie ist nicht von Glücksgefühlen abhängig, denn sie ist vollkommen. Materielle Dinge können uns Freude bereiten, aber im nächsten Moment schon keine Rolle mehr spielen. Auch die allerbesten Kapitalanlagen können riesige Verluste einbringen. Immobilien sind dem Wandel der Zeit und dem Verfall unterworfen. Auch auf berufliche Stellungen ist kein Verlass. Ein Chef kann durch eine Fusion seine Stellung verlieren. Der langjährig erfolgreiche Arzt kann durch einen jungen Anfänger verdrängt werden. Spitzensportler geraten irgendwann aus der Form und können in kürzester Zeit aus dem Fokus geraten.

Die »Markenware Freude«, die Jesus schenkt, ist hingegen von stets bleibender Qualität, denn sie ist mit einer Person verbunden, die ewig lebt: Jesus, der Sohn Gottes. Jesu Freude war verankert im Tun und Ausführen des Willens Gottes. Wer Jesus annimmt und ihm nachfolgt, wird dieselbe unvergängliche Freude haben, Gottes Willen zu tun.

Sebastian Weißbacher

Sonntag, 24. November 2024: Der Sterbe-Simulator, Römer 14,8-9

Im März 2023 konnten Besucher im Rahmen einer Kunstausstellung des Künstlers Shaun Gladwell in Melbourne ausprobieren, wie es sich anfühlen könnte, an einem Herzstillstand zu sterben. Dazu legten sich die Neugierigen auf einen vibrierenden OP-Tisch, bekamen eine Virtual-Reality-Brille aufgesetzt und wurden an einen Herzmonitor angeschlossen. Ein Proband berichtete: »Du kannst dich selbst in der Brille sehen und die Ärzte versuchen, dich wiederzubeleben. Es klappt nicht. Dann schwebst du nach oben ins All und immer weiter.« Als »meditativ und verstörend zugleich« wurde das simulierte Ableben im Programm zur Ausstellung beschrieben.

Der Tod ist unheimlich und mysteriös, denn kein normal sterblicher Mensch kann uns Lebenden berichten, wie er sein eigenes Sterben empfunden hat und was danach kommt. Sterben und Tod machen daher vielen Angst. Wer sich dem Sterbe-Simulator aussetzt, versucht vielleicht, sich die eigene Angst vor dem Tod zu nehmen. Denn nicht zu wissen, was auf einen zukommt, kann sehr beunruhigend sein.

Aber es gibt einen Menschen, der wirklich gestorben und wieder auferstanden ist: Es ist Jesus Christus. Er verspricht allen, die ihm vertrauen, dass er sie zu sich nehmen wird, damit sie dort sind, wo er ist (vgl. Johannes 14,3). Menschen, die mit Gott versöhnt sind, weil Jesus ihre Schuld am Kreuz bezahlt hat, brauchen deshalb vor dem Tod und auch dem Sterben keine Angst zu haben. Menschen, die Gottes Angebot jedoch ablehnen, haben zu Recht Angst, denn ihnen droht die ewige Gottesferne. Zu wissen, wie sich das Sterben anfühlt, ist nicht so wichtig. Wichtig ist letztlich nur, wo man nach dem Sterben die Ewigkeit verbringen wird.

Daniela Bernhard

Samstag, 23. November 2024: Das weißeste Weiß, Psalm 51,9

Die schönen bunten Blätter sind nun alle von den Bäumen gefallen, viele Vögel sind in den Süden gewandert und die Farben in der Natur haben sich großteils zurückgezogen. Unsere Umwelt wird grau, kahl und kalt; vielleicht sogar ziemlich düster, leblos und leer. Auch das Wetter hat sich diesem Trend mit kalten, feuchten Nebeltagen angepasst und spiegelt dieselbe Farblosigkeit wider. Die Tage werden kürzer und die Nächte immer länger. Diese Zeit wirkt manchmal echt trostlos, denn die Lebensfreude nach einem sonnig-warmen Sommer und einem lauen farbenfrohen Herbst scheint in unerreichbare Ferne gerückt zu sein.

Aber da gibt es etwas, was dieser ganzen Situation Licht und Freude geben kann: der erste Schnee! Dann sind all die matschigen Wege, die leergefegten Bäume und die düstere Umgebung sozusagen zugedeckt. Überall liegt die weiße dicke Decke, die aus dem Himmel herabgeglitten ist. Faszinierend, einfach so hinuntergeschwebt! Ich denke, dieses Naturwunder hat Gott uns absichtlich gegeben – nämlich mit dem Ziel, dass wir verstehen, was er mit unseren Herzen tun will.

Die Herzen der Menschen, die ohne Gott leben, sehen nicht selten kahl und grau aus. Die Kaltherzigkeit, Lieblosigkeit und der Egoismus, die leider in den Herzen regieren, machen die Menschen immer finsterer, farb- und freudloser. Aber Gott will all dieses Böse beseitigen und die Herzen rein machen, weißer als Schnee! Er will Licht in das Dunkel bringen und schickt dafür analog zum Schnee ein Wunder direkt aus dem Himmel: Jesus, der absolut rein und ohne Makel ist. Das Schöne ist, dass er unsere Schuld nicht wie Schnee einfach nur zudeckt, sondern sie tatsächlich wegwäscht, wenn wir ihn darum bitten, sodass unser Herz dann ganz und gar weiß ist.

Gabriel Herbert

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